Druck im Profifußball

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Den Erwartungshaltung von Fans und Medien hält nicht jeder Profi stand. Bild: Shutterstock

Als Per Mertesacker vor einigen Wochen einen Einblick in sein Seelenleben während der WM 2006 gab, meldeten sich einige Kritiker zu Wort. Der Druck im Profifußball sei so hoch, dass man teilweise sogar über Niederlagen froh wäre. Mancher Kollege pflichtete ihm bei, andere wiederum widersprachen ihm vehement.

Dass Per Mertesacker ein Mann klarer Worte ist, erlebte man zuletzt bei der WM 2014 in Brasilien. Im März äußerte sich der Innenverteidiger vom FC Arsenal zur Drucksituation, der alle Spieler ausgesetzt seien. Die hohe Erwartungshaltung und der Erfolgsdruck verursachten bei Mertesacker jahrelang körperliche Probleme. Es gehe nicht mehr um Spaß, nur das Ergebnis stehe im Vordergrund. So freute sich der ehemalige Nationalspieler fast schon über Verletzungen, um für einige Zeit entspannter zu leben. Als Beispiel nennt Mertesacker die Heim-WM 2006. Die DFB-Elf wurde von euphorischen Fans zum dritten Platz getragen, doch das schmerzhafte Aus im Halbfinale gegen Italien nach Verlängerung hat bis heute kaum jemand vergessen. Für Mertesacker war diese Niederlage fast schon eine Befreiung. „Klar war ich auch enttäuscht, als wir gegen Italien ausgeschieden sind, aber vor allem war ich erleichtert. Ich dachte nur: Es ist vorbei, es ist vorbei. Endlich ist es vorbei“.

Widerspruch von Elber, Metzelder und Matthäus

Für seine Aussagen erntete Mertesacker nicht nur Applaus. Sein damaliger Nationalmannschaftskollege Christoph Metzelder zeigte sich überrascht von dem Empfinden Mertesackers. „Ich habe die WM 2006 überhaupt nicht so empfunden. Ab einem gewissen Punkt waren wir auf einer Welle“. Auch Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hat kein Verständnis dafür, dass sich der Innenverteidiger sogar über Verletzungen gefreut hat. Giovane Elber verglich Mertesackers Aussagen mit der klassischen Berufswelt. Druck, den hätten Arbeiter in der freien Wirtschaft. Als Fußballprofi sollte man sich glücklich schätzen, niemals mit finanziellem Druck konfrontiert zu sein. Mertesacker reagiert gelassen auf die Kritik. „Jeder hat seine eigenen Gefühle, das sollte man respektieren und auch den Zusammenhang sehen und nicht nur einzelne Aussagen rauskratzen“. Per Mertesacker war lange Zeit eng mit Robert Enke befreundet, wohl auch deshalb geht er mit dem Druck im Fußball offener um.

Bremens Bauer pflichtet ihm bei

Nun äußerte sich auch ein aktueller Bundesligaspieler zu diesem Thema, Bremens Verteidiger Robert Bauer. Er beleuchtete auch den finanziellen Aspekt, den Giovane Elber ins Gespräch gebracht hatte. „Natürlich sind wir privilegiert. Wir verdienen viel Geld, wahrscheinlich viel zu viel. Auch wir müssen erst mal mit gewissen Situationen klarkommen und lernen, damit umzugehen“. Der Druck, der besonders durch die Reaktionen nach schlechten Spielen auf die Spieler einprasselt, ist größer, als es sich mancher vorstellen kann. Viele Spieler, so Bauer, würden unter Selbstzweifeln leiden und hätten Angst, nach einem groben Fehler erneut aufzulaufen. Zwar ist man als Fußballprofi ein gefeierter Star, doch das Blatt kann sich schnell wenden. „Den Spielern sieht man das aber meist nicht an. Man gibt sich selbstbewusst, doch innen sieht es anders aus“. Die Angst vor der Reaktion der Öffentlichkeit sei zu groß, sodass sich kein Spieler damit offen an die Medien wenden würde. Untereinander würden diese Themen aber sehr wohl besprochen werden. Das Umdenken, das nach Enkes Tod gefordert wurde, findet also leider noch nicht statt.

Unser Autor: Michael Schnellmann

Autor Michael Schnellmann

Champions League oder Nationalmannschaft? Hauptsache Fußball! Wo das runde Leder rollt, spielt bei mir keine Rolle. Als Autor für unsere Wett-Tipps bin ich auf allen europäischen Plätzen und in allen wichtigen Wettbewerben zu Hause. Das bedeutet: Jede einzelne Wett-Empfehlung beinhaltet alle wichtigen Infos und relevante Daten, um daraus die besten Tipps und ihre Wettquoten abzuleiten. Ich selbst nutze meine Analysen natürlich auch privat. Mein Wettschein dankt es mir.

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