Hochrisiko-Spiele werden teuer für die Liga

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Müssen sich DFL und Vereine bald um die Mehrkosten der Polizei-Einsätze kümmern? Bild: Shutterstock

Das Bremer Oberverwaltungsgericht hat mit seiner Entscheidung, das Land Bremen an Mehrkosten für Polizeieinsätze zu beteiligen, für Aufruhr bei der DFL gesorgt. Grund für diese Maßnahme war ein Gebührenbescheid aus dem Jahr 2015 über 425.000 Euro, der bei einem Heimspiel des SV Werder Bremen entstanden war.

Die Polizeikosten, die rund um die Streitereien vor und in den Stadien entstanden sind, zahlten bislang einzig und allein die deutschen Steuerzahler. Mit dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts ändert sich diese Zahlungspflicht nun, allerdings gilt die Regel vorerst nur für das Bundesland Bremen. Der Bremer Innensenator begrüßte die Entscheidung und warb gleichzeitig für eine nationale Ausweitung des Konzepts. „Ein guter Tag für den Steuerzahler. Bei der nächsten Innenministerkonferenz möchte ich dafür werben. Es geht darum, dass sich die DFL bundesweit beteiligt“. Die DFL geht nun in Revision und möchte eine endgültige Entscheidung bewirken, ob sich die Bundesligaklubs und die Liga an den Mehrkosten beteiligen müssen. Das Oberverwaltungsgericht begründete sein Urteil mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Bundesligaspiele, der durch die Sicherheitsleistungen der Polizei maßgeblich beeinflusst werde.

Unverständnis bei der DFL und den Bundesligaklubs

DFL-Präsident Dr. Reinhard Rauball zeigt wenig Verständnis für das Bremer Urteil. „Die rechtliche Wertung des Oberverwaltungsgerichts ist aus Sicht der DFL bei allem Respekt unzutreffend. Die DFL wird daher Revision gegen das Urteil einlegen. Der Fußball ist nicht Verursacher von Gewalt, und eine bloße Umverteilung von Kosten führt nicht zur notwendigen Reduzierung der Polizeieinsätze. Es ist für uns weiterhin nicht nachvollziehbar, dass der Fußball für die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit, die eine Kernaufgabe des Staates ist und der Allgemeinheit zugutekommt, verantwortlich sein soll“. Auch Hans-Joachim Watzke spricht sich gegen eine Beteiligung an den Mehrkosten aus. Durch diese Entscheidung rücke der Fußball in ein schlechtes Licht, andere Großveranstaltungen wie Volksfeste müssen, setzt sich dieser Beschluss wirklich ligaweit durch, genauso in die Pflicht genommen werden.

Ausgangspunkt: Das Nordderby 2015

Die 425.000 Euro Mehrkosten, die vor dem Bremer Oberverwaltungsgericht verhandelt wurden, entstanden durch den Polizeieinsatz beim Nordderby im April 2015. Für das nächste Duell Bremen gegen Hamburg, das am kommenden Spieltag am Samstagabend erwartet wird, setzte das Land Bremen bereits ein neues, ebenfalls über 425.000 Euro datiertes, Schreiben auf, das die DFL beteiligen soll. Grob geschätzt entstanden in der Saison 2016/17 46 Millionen Euro, 109 Hochrisiko-Spiele in allen drei Profiligen hatten diese Summe verursacht. Dass sich die Vereine an der Summe für die Mehrkosten beteiligen müssen, scheint logisch. Durch gezielten Aufwand wäre es den Klubs möglich, das Risiko selbst einzudämmen. Viele gewaltbereite Fans schaffen es problemlos, über den Verein an Tickets zu kommen, obwohl sie namentlich bereits bekannt sind. Diese „Fans“ werden ihre Gewaltbereitschaft auch nicht mindern, wenn ihr Verein deutlich höhere Zahlungen zu leisten hätten. Ein konsequentes Ausschließen dieser Fangruppierungen stellt den wohl einzigen Weg der Klubs dar, die Gewalt zu reduzieren und somit die Mehrkosten automatisch zu senken. Dass die DFL in Revision geht, ist bereits beschlossene Sache. Ob, und wenn ja wie viel, die Liga und die Vereine zuzahlen müssen, wird sich wohl erst in einigen Monaten entscheiden.

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