Schwedens Fußballerwahl – eine Welt der Inszenierung?

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In Schweden wurde der Nachfolger von Zlatan Ibrahimovic gewählt. Bild: Shutterstock

Wahlen, die die Besten ihres Sports würdigen und ihre herausragenden Leistungen auszeichnen, erregen seit Jahren die Gemüter. Ging es wirklich mit rechten Dingen zu, wieso wurde die Abstimmung verlängert, ist es überhaupt fair, wer hier alles seine Stimme abgeben darf und vor allem: Haben wir wirklich einen verdienten Sieger?
Genau diese Frage stellt man sich aktuell auch in Schweden, wo Zlatan Ibrahimovic, der den Titel „Schweden’s Fußballer des Jahres“ über die letzten Jahre hinweg quasi abonniert hatte, nach seiner langen Verletzungszeit nun Platz für seinen Nachfolger machte. Für viele stand der kommende Sieger fest: Emil Forsberg, Spielmacher des Sensationsaufsteigers aus Leipzig, der auf direktem Wege in die Champions League marschierte und obendrein noch die meisten Vorlagen der Bundesliga zum 2. Platz beisteuerte. Eine der größten schwedischen Tageszeitungen ließ im Land abstimmen, fast 70.000 Fußballbegeisterte nahmen teil und satte 48% entschieden sich für Forsberg. Nur 25% hätten Thomas Granqvist, Verteidiger vom russischen Klub FK Krasnodar, gewählt. Für nahezu alle Aktiven ist diese Wahl nur schwer nachzuvollziehen. Stefan Pettersson, ehemaliger Nationalspieler Schwedens und heute im Management tätig, soll eine tragende Rolle spielen. Er ist Manager der Wahl, die von Sport-Journalisten und Vertretern des Fußballverbandes entschieden wird.

Pettersson und Forsberg – beeinflusste ein Streit die Wahl?

Stefan Pettersson war vor vielen Jahren der Manager von Emil Forsberg, 2011 trennten sich die Wege, weil es finanzielle Streitigkeiten gab. Nicht wenige Stimmen werden nun laut, die der Meinung sind, Pettersson wollte nicht, dass Forsberg mit dem Pokal nach Hause geht. Ehemalige Spieler als auch Forsberg selbst, so heißt es, seien verärgert und schockiert über die fehlende Würdigung für den Leipziger. Forsberg soll sauer auf den schwedischen Fußballverband sein, der seine Leistungen in der Bundesliga mit 22 Torvorlagen nicht berücksichtigt. Ist das Beispiel in Schweden nur ein Paradebeispiel, das uns zeigt, wie wenig ernst man solche Wahlen noch nehmen kann? Vielen sagen „Ja“. Beispiele dafür gibt es viele, die, trotz aller Objektivität, die Frage aufwerfen, ob solche Wahlen wirklich ohne Absprachen, persönlichen Schicksalen oder Sympathie, fernab des fußballerischen Talentes, abgewickelt werden.

Paradebeispiel Weltfußballer

Wahlen, deren Kandidaten oder Sieger man nicht immer nachvollziehen kann, gab es nicht selten. Die FIFA stellt mit den zur Wahl stehenden Kandidaten zum Ballon d’Or sich in diese Reihe. 2013 sahen viele Bayerns Franck Ribery schon als sicheren Sieger, schließlich spielte der Franzose eine überragende Saison und gewann nicht nur die Champions League, sondern auch Meisterschaft und Pokal mit den Münchnern. Kurz NACH Ende der Stimmabgabe fanden die Play-Offs zur WM 2014 in Brasilien statt, in denen auch Portugal mit Cristiano Ronaldo vertreten war. Die FIFA verlängerte die Stimmabgabe, Ronaldo schoss 4 Tore und wurde wenige Tage später zum Weltfußballer gekürt, obwohl er 2013 nicht einen einzigen Titel gewinnen konnte, Ribery dagegen alle, die möglich waren. Auch die Wahl von Philipp Lahm zu Deutschlands Fußballer des Jahres 2017 verstanden nicht viele. Ein Zusammenhang mit dem Karrierenende und dem gewollten runden Abschluss der Stimmberechtigten scheint wahrscheinlich. Emil Forsberg jedenfalls hat nachvollziehbare Probleme damit, die Wahl zu akzeptieren. Trösten wird es ihn wohl nicht, aber Franck Ribery, Toni Kroos und Co., alles selbst Übergangene, werden ihn verstehen.

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