UEFA: Bei Liga-Abbrüchen drohen internationale Ausschlüsse

Von Michael Schnellmann

Die internationalen Klubs stehen derzeit vor einer enorm schwierigen Situation. Kein nationaler Verband kann eine genaue Prognose treffen, ob die Saison zu Ende gespielt werden kann. Wenn ja, wann wird es passieren? Die Ungewissheit allerdings interessiert die UEFA wenig. Sie fordert: Nehmt den Spielbetrieb wieder auf, sonst folgt eine europäische Sperre!

Vor einigen Tagen gab es den ersten Abbruch der Saison. Die belgische Liga entschied sich dazu, nicht mehr weiterzuspielen. „Es besteht die Gefahr, dass mögliche Infektionen eines Spielers oder des Spielerkerns den sportlichen Verlauf des restlichen Wettbewerbs in inakzeptabler Weise beeinflussen. Der Vorstand setzt eine Arbeitsgruppe ein, die die sportlichen Knoten und die finanziellen Auswirkungen dieser Entscheidung prüfen werden.“, so der belgische Verband. In einer Woche soll feststehen, wer auf- und wer absteigt. Auch in den Niederlanden wird dieses Szenario bereits geprüft. „Ich hatte gehofft, dass der KNVB eine eigenständige Entscheidung trifft, aber stattdessen versteckt man sich hinter der UEFA. Viele Klubs denken genauso. Die Ehrendivision ist tot. Der Spaß ist weg. In den Niederlanden sind wir nicht so sehr von den TV-Einnahmen abhängig wie die Ligen in Spanien, England, Italien und Deutschland.“, berichtet Marc Overmars, Sportdirektor von Ajax Amsterdam. Seinem Team würde bei einem Abbruch der Meistertitel zugesprochen werden.

Top-Ligen unter Druck

Welche Meinung hätte er inne, würde Ajax mit einem Punkt Rückstand auf Platz zwei liegen? Angeblich hängt seine Ansicht nicht mit dem sportlichen Abschneiden zusammen. Was bedeutet die Forderung in den Niederlanden für Bundesliga, Serie A und Co.? Nicht zwingend viel, denn Overmars hat den entscheidenden Unterschied bereits erklärt: Holland und Belgien haben bei einem Abbruch wesentlich geringere Verluste, als die Top-Ligen. Für die UEFA ist klar: Die Saison muss irgendwie zu einem Ende kommen, wenn es gesundheitlich vertretbar ist. „Ich bin dafür, dass sportlich alles, was möglich und medizinisch zu verantworten ist, ausgetragen und die Saison zu Ende gebracht wird; auch ohne Zuschauer. Der Fußball hat doch auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Man freut sich immer auf den Samstagnachmittag, 15.30 Uhr, Bundesliga. Und jetzt hätte man so viel Zeit, die Spiele anzuschauen.“, wünscht sich auch Ottmar Hitzfeld, der ehemalige Erfolgstrainer von Bayern und dem BVB.

Ausschluss-Drohung

Bei der UEFA allerdings ist eine Fortsetzung der Saison nicht nur ein Wunsch, sondern vielmehr eine deutliche Forderung. „Da die Teilnahme an UEFA-Klubwettbewerben vom sportlichen Ergebnis abhängt, das am Ende eines vollständigen nationalen Wettbewerbs erzielt wird, würde eine vorzeitige Beendigung Zweifel an der Erfüllung dieser Bedingung aufkommen lassen.“ Problematisch würde es vor allen Dingen dann werden, wenn eine Top-Liga die Saison abbricht, die anderen allerdings ein sportliches Ende finden. Würde die UEFA in solch einem Fall die Vereine einer Nation komplett aus dem Europapokal verbannen? Vorstellbar ist es, liest man die Passage im Schreiben, das die Verbände erhalten haben: „Die UEFA behält sich das Recht vor, den Anspruch von Vereinen auf Zulassung zu den UEFA-Klubwettbewerben 2020/21 gemäß den einschlägigen Wettbewerbsbestimmungen zu beurteilen.“ Die Ligen werden wissen, dass den Vereinen nicht nur die Insolvenz droht, sondern auch der Ausschluss aus dem internationalen Geschäft. Auch deshalb plädiert die Mehrheit für Geisterspiele.

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