Urteil nach Bus-Anschlag in Dortmund

Fußball-News
14 Jahre Haft für Sergej W. nach dem Bombenanschlag auf den BVB-Bus. Bild. Imago

Der Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus des BVB im April 2017 erschütterte die Fußballwelt. Der damalige Abwehrspieler Marc Bartra wurde schwer am Arm verletzt. Weitere Opfer gab es glücklicherweise nicht. Nach elf Monaten Verhandlungszeit hat das Dortmunder Landgericht jetzt das Urteil gegen Täter Sergej W. gesprochen.

Am 11. April 2017 befand sich die Dortmunder Mannschaft auf den Weg in den Signal Iduna Park. Im Champions League-Viertelfinale war die AS Monaco zu Gast. Bevor der Bus am Stadion ankam, führte Sergej W. seinen Anschlag durch. Gegen 19.15 Uhr gingen neben dem Bus drei Splitterbomben hoch. Ein Metallstift traf Marc Bartra und verfehlte dessen Kopf nur knapp. Nach einer Notoperation ist Bartra heute wieder gesund. Ein Motorradpolizist, der dem Bus Begleitschutz gegeben hatte, erlitt einen Schock und ein Knalltrauma, was zu seiner Arbeitsunfähigkeit führte. Die Partie zwischen dem BVB und Monaco wurde abgesagt und am nächsten Tag nachgeholt. Dortmund verlor das Heimspiel und schied wenige Tage später aus der Champions League aus. Für die kurze Zeit zwischen Anschlag und Neuansetzung gab es reichlich Kritik. Gerüchten zufolge soll das auch zum Bruch zwischen Trainer Thomas Tuchel und Hans-Joachim Watzke geführt haben.

Monatelanger Prozess

Ende Dezember 2017 begann der Prozess vor dem Landgericht Dortmund. Auch die Profis des BVB mussten vor Gericht aussagen und ihre Erlebnisse schildern. Sergej W. gestand die Tat, bestritt allerdings eine Tötungsabsicht. „Ein Ziel war, einen Sprengstoffanschlag vorzutäuschen, damit den Kurssturz der BVB-Aktie zu erreichen. Ich hatte mit einer großen Aktienbewegung gerechnet, die waren aber im Minus. Ich hatte ja darauf spekuliert, dass das Spiel ausfällt“. Der 29-jährige Täter, der aus dem Baden-Württemberg stammt, musste sich wegen versuchtem Mordes in 28 Fällen und der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion verantworten. Die Staatsanwaltschaft forderte dafür eine lebenslängliche Haftstrafe. Die Anklageschrift implizierte die gezielte Tötung von Spielern, die zum Einsturz der BVB-Aktie führen sollte. Sergej W. beteuerte, er wollte lediglich Angst und Schrecken verbreiten. Sein „Vorbild“ sei der Anschlag auf das Pariser „Bataclan“ im November 2015 gewesen. Während der Ermordung vieler Zivilisten fand das Länderspiel zwischen Frankreich und Deutschland statt.

14 Jahre Haft

Die Verteidigung forderte wegen Ausbleiben der Tötungsabsicht eine Haftstrafe, die deutlich unter zehn Jahren liegen sollte. Das Gericht verurteilte Sergej W. zu einer Strafe von 14 Jahren. „Wir sind erleichtert, dass das Urteil nicht lebenslänglich lautet. Ich werde mit meinem Mandanten reden. Es gibt eine einwöchige Frist zur Einlegung einer Revision, danach gibt es eine einmonatige Frist zur Begründung dieser Revision. Das Urteil wird im Frühjahr zugestellt, weil die Verhandlung lange gedauert hat. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, eine eingereichte Revision zurückzuziehen“, so der Verteidiger des Straftäters. Das Urteil nahm er regungslos hin und zeigte keinerlei Emotionen. „Ich möchte nicht kommentieren, wie er im späteren Vollzug klarkommen wird. Er ist ein ruhiger Mensch, der sich jetzt womöglich noch weiter zurückziehen wird. Wir haben einen gebrochenen Menschen, der nach seiner Tat psychisch und wirtschaftlich zerstört ist“, sagte Verteidiger Heydenreich. Die Spieler des BVB sind froh, dass mit der Urteilsverkündung der Prozess endlich ein Ende hat.

Unser Autor:

Autor

Kommentare

Hier haben Sie die Möglichkeit den Artikel zu Kommentieren bzw. einen Erfahrungsbericht zum Anbieter zu hinterlassen. Bitte beachten Sie die Nettiquete.

Copyright sportwette.net