Die Republik Irland wird am Sonntag in der Nations League gegen Israel antreten, allerdings ohne Torhüter Gavin Bazunu. Der Keeper teilte Nationaltrainer Heimir Hallgrímsson am Samstagmorgen mit, dass er an den beiden Partien gegen Israel nicht teilnehmen wolle, und verließ den Kader. Daraufhin berieten die Spieler im Teamhotel in Debrecen rund vier Stunden lang, teils unter sich, teils mit Trainerstab und Verbandsführung. Am Ende stimmte nach Angaben des Verbands eine „deutliche Mehrheit“ dafür, die Spiele zu bestreiten.

„Heute Morgen hat ein Spieler dem Cheftrainer gegenüber sein Unbehagen geäußert, dieses Spiel zu bestreiten, und seine Absicht angekündigt, den Kader zu verlassen“, sagte FAI-Geschäftsführer David Courell auf der um mehr als fünf Stunden verschobenen Pressekonferenz. Diese neue Situation habe Zeit und Überlegung erfordert. Das genaue Abstimmungsergebnis nannte Courell nicht. Auch das Abschlusstraining begann mit großer Verspätung.

Angepfiffen wird die Partie am Sonntag, dem 27. September 2026, um 20:45 Uhr deutscher Zeit im Nagyerdei Stadion im ungarischen Debrecen. Das Rückspiel folgt am 4. Oktober in Bačka Topola in Serbien, ohne Zuschauer.


Trauerflor, Spende und Schweigen gegenüber den Medien

Die Mannschaft hat sich auf mehrere Zeichen verständigt. Die Spieler werden in der Partie schwarze Armbinden tragen, und die Einnahmen aus dem Heimspiel gegen Österreich am 1. Oktober sollen einem wohltätigen Zweck zugutekommen. Zudem verzichten die Spieler vor allen drei anstehenden Spielen, in Debrecen, gegen Österreich in Dublin und in Serbien, auf Interviews und Pressetermine.

Hallgrímsson bestätigte, dass Bazunu der einzige Spieler sei, der nicht antreten werde. „Alle anderen Spieler sind heute beim Training“, sagte der Isländer. Das Spiel finde statt, es werde aber noch weitere Gespräche geben. „Wir versuchen, den Schaden zu begrenzen.“ Nach Berichten irischer Medien hatten zwischenzeitlich weitere Spieler überlegt, sich Bazunu anzuschließen.


Der Weg zu diesen Spielen

Die Ursprünge der Kontroverse reichen bis ins vergangene Jahr zurück. Im November 2025 stimmten 93 Prozent der Mitglieder der FAI-Generalversammlung dafür, bei der UEFA formell die Suspendierung des israelischen Verbands zu beantragen, mit Verweis auf einen Verstoß gegen die UEFA-Statuten. Irland schloss sich damit Forderungen an, die zuvor auch aus Norwegen und der Türkei gekommen waren. Die UEFA folgte diesen Anträgen nicht.

Parallel dazu hatte die FAI nach Angaben Courells darum gebeten, bei der Auslosung nicht mit Israel in eine Gruppe gelost zu werden. Die UEFA habe dies abgelehnt, mit der Begründung, solche Trennungen würden nicht aufgrund öffentlicher Stimmungslagen vorgenommen, und beide Länder hätten sich nie in einem direkten Konflikt befunden. Bei der Auslosung im Februar landeten Irland und Israel dann in derselben Gruppe.


Die Stimmung in der Bevölkerung

Seit der Auslosung ist die Frage, ob Irland antreten soll, eines der meistdiskutierten Sportthemen des Landes. Umfragen zeichnen ein deutliches Bild: Bei einer Befragung der Spielergewerkschaft PFA im Februar sprachen sich 63 Prozent der Teilnehmer dagegen aus, die Spiele zu bestreiten. Nach einer Umfrage der Zeitung Irish Mirror würden 71 Prozent der Bevölkerung die FAI unterstützen, falls sie die Spiele verweigert.

Der Protest ist auch im Alltag sichtbar. In der vergangenen Woche demonstrierten Menschen vor dem Teamhotel in Dublin und forderten die Spieler zum Boykott auf. Die Gewerkschaft SIPTU ließ am Ufer der Liffey im Stadtzentrum ein großes Plakat aufhängen, das die Spieler aufrief, ihrem Gewissen zu folgen und nicht gegen einen Völkermord anzutreten. Mehr als 160 irische Sportlerinnen und Sportler unterzeichneten einen offenen Brief, in dem sie die FAI zum Umdenken aufforderten. Der frühere Nationaltrainer Brian Kerr sagte, der Verband habe mit seiner Entscheidung „den Respekt des irischen Volkes verloren“. Die Menschen und das Fußballpublikum wollten nicht, dass die Spiele stattfinden.

Auch die Politik ist involviert. Die irische Regierung wirft Israel vor, mit seinem militärischen Vorgehen im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen. Oppositionsparteien brachten im Parlament Anträge ein, die die Regierung zur Unterstützung eines Boykotts aufforderten. Die Regierung stellte sich jedoch hinter die Entscheidung der FAI, die Spiele auszutragen. Ein Abgeordneter der Regierungspartei Fine Gael erklärte am Samstag, die Regierung hätte den Verband auch unterstützt, wenn dieser nicht hätte antreten wollen. Hallgrímsson selbst sprach von der „wahrscheinlich größten Unterstützung für Palästina in Europa“ und sagte, er respektiere das Recht auf Protest.

Israel weist den Vorwurf des Völkermords entschieden zurück und erklärt, sein Vorgehen im Gazastreifen stehe im Einklang mit dem Völkerrecht. Israelische Offizielle und Vertreter der jüdischen Gemeinde in Irland warnen zudem vor einer wachsenden Feindseligkeit gegenüber Israel und einem Anstieg antisemitischer Vorfälle im Land. Der Jewish Representative Council of Ireland registrierte nach eigenen Angaben zwischen Juli 2025 und Januar 2026 insgesamt 143 Meldungen über antisemitische Vorfälle, darunter Beleidigungen, Drohungen und Sachbeschädigungen.


Die Entscheidung des Verbands

Die FAI hatte sich trotz dieser Stimmung früh entschieden, die Spiele auszutragen. Der Verband argumentiert, eine einseitige Weigerung würde die langfristigen sportlichen Interessen des irischen Fußballs erheblich schädigen. Nach den UEFA-Regeln würde ein verweigertes Spiel gegen die betroffene Mannschaft gewertet, weitere Disziplinarmaßnahmen bis hin zum Ausschluss aus dem Wettbewerb wären möglich. Kritiker verweisen dagegen auf einen Präzedenzfall: Als Litauen, Lettland und Estland zuletzt UEFA-Spiele gegen Belarus verweigerten, wurden die Partien nach Berichten des Irish Examiner mit 0:3 gewertet, in einem Fall kam eine Geldstrafe von 5.000 Euro hinzu.

Auf einer außerordentlichen Versammlung im Juli stimmten die Delegierten mit 68 zu 32 Prozent dafür, die Linie des Vorstands zu unterstützen. Bereits im Juni hatte die UEFA dem Antrag der FAI zugestimmt, das eigentliche Heimspiel in Dublin auf neutralen Boden zu verlegen und ohne Zuschauer auszutragen. Inhaber von Dauerkarten sollen entschädigt werden.

Auch in der Präsentation setzt die FAI Zeichen. Beim nominellen Heimspiel in Serbien werden nach Medienberichten die Namen und Logos der Sponsoren entfernt und durch „Respect“-Botschaften ersetzt. Der irische Sender RTÉ überträgt beide Partien aufgrund vertraglicher Verpflichtungen, verzichtet aber auf Studiosendung, Experten und Werbung und übernimmt den Kommentar aus dem internationalen Signal.


Spieler, Trainer und die Reaktion aus Israel

Das Unbehagen innerhalb der Mannschaft war lange vor dem Samstag spürbar. Der damalige Kapitän Seamus Coleman sagte im Mai, die Spieler fühlten sich nicht wohl dabei, gegen Israel antreten zu müssen, die Frage hätte auf einer höheren Ebene geklärt werden müssen. Mittelfeldspieler Jason Knight äußerte sich nach dem Auftaktspiel in Kosovo ähnlich: Er finde nicht, dass das Spiel stattfinden sollte, aber es finde nun einmal statt.

Zugespitzt hatte sich die Lage bereits vor der Abreise durch eine Aussage Hallgrímssons. „Wir spielen nicht mit dem Genozid, wir spielen gegen den Genozid. Wir spielen gegen Israel, nicht mit Israel“, sagte der Isländer. Der israelische Fußballverband reagierte scharf und bezeichnete die Verwendung des Begriffs als Ausdruck von „Dummheit, Ignoranz und Heuchelei“.


Zwei Spiele ohne gewohnte Kulisse

Israel hat seit September 2023 kein Länderspiel mehr im eigenen Land ausgetragen, da die UEFA aus Sicherheitsgründen keine Partien dort zulässt. Der Verband weicht seither regelmäßig nach Debrecen aus, in der WM-Qualifikation empfing Israel dort unter anderem Italien, Norwegen und Estland. Für das Spiel gegen Irland gibt der israelische Verband nach Angaben von Ticketanbietern nur ein kleines Kontingent an eigene Anhänger ab. Die FAI organisiert keine Reisen irischer Fans und hat kein Gästekontingent übernommen. Das Rückspiel in Bačka Topola findet vollständig ohne Zuschauer statt.


Die sportliche Ausgangslage

Beide Mannschaften sind mit Niederlagen in die Nations League gestartet. Irland unterlag am Donnerstag in Pristina Kosovo mit 0:1, Kapitän Vedat Muriqi traf in der 83. Minute. Israel verlor in Linz mit 1:3 gegen Österreich. Der israelische Torschütze Saied Abu Farchi sah dabei nach seinem Torjubel die zweite Gelbe Karte und dürfte damit gegen Irland fehlen. Auf irischer Seite muss Hallgrímsson nun zusätzlich auf Bazunu verzichten. Einen Heimvorteil hat an beiden Spielorten keine der beiden Mannschaften.

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Wie es weitergeht

Nach dem Spiel in Debrecen empfängt Irland am 1. Oktober Österreich im Aviva Stadium in Dublin, ehe am 4. Oktober das Rückspiel gegen Israel in Serbien folgt. Offen ist, ob Bazunu für das Österreich-Spiel in den Kader zurückkehrt, er hatte angekündigt, an beiden Israel-Spielen nicht teilzunehmen. Die Debatte in Irland dürfte mit dem Abpfiff am Sonntag nicht enden. Der Antrag der FAI auf Suspendierung Israels liegt der UEFA weiterhin vor, eine grundsätzliche Klärung, wie der europäische Fußball mit solchen Konflikten umgeht, steht aus.


Häufige Fragen zu Irland gegen Israel

Findet das Spiel Irland gegen Israel statt? Ja. Nach einer Abstimmung, bei der eine deutliche Mehrheit der Spieler für das Antreten votierte, bestätigte die FAI am 26. September 2026, dass beide Spiele gegen Israel ausgetragen werden.

Welcher Spieler tritt nicht an? Torhüter Gavin Bazunu hat den Kader verlassen, weil er nicht an den Spielen gegen Israel teilnehmen will. Nach Angaben von Trainer Heimir Hallgrímsson ist er der einzige Spieler, der nicht antritt.

Wann und wo spielt Irland gegen Israel? Das erste Spiel findet am Sonntag, dem 27. September 2026, um 20:45 Uhr deutscher Zeit im Nagyerdei Stadion in Debrecen, Ungarn, statt. Das Rückspiel folgt am 4. Oktober 2026 in der TSC Arena in Bačka Topola, Serbien, ohne Zuschauer.

Wie steht die irische Bevölkerung zu den Spielen? Umfragen zeigen eine deutliche Ablehnung. Bei einer Befragung der Spielergewerkschaft PFA sprachen sich 63 Prozent gegen die Spiele aus, laut Irish Mirror würden 71 Prozent einen Boykott der FAI unterstützen. Es gab Proteste und einen offenen Brief von über 160 Sportlern.

Warum spielt Irland trotzdem? Die FAI warnt vor sportlichen und finanziellen Sanktionen bei einem Nichtantreten. Eine außerordentliche Versammlung bestätigte im Juli mit 68 zu 32 Prozent die Entscheidung, die Spiele auszutragen, und nun stimmte auch eine Mehrheit der Spieler dafür.

Wie reagiert Israel? Israel weist den Vorwurf des Völkermords zurück. Der israelische Verband kritisierte die Aussagen von Irlands Trainer Hallgrímsson scharf.


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