Güler, Yildiz, Uzun: Reicht das Talent der türkischen Goldenen Generation für eine WM-Sensation?
24 Jahre Abstinenz, eine Generation voller Weltklasse-Talente und ein ganzes Land im WM-Fieber. Die Türkei ist zurück – und diesmal könnte es wirklich weit gehen.
Der Moment der Rückkehr
Seit Hakan Sükür 2002 das schnellste Tor der WM-Geschichte schoss und die Türkei sensationell Dritter wurde, warteten 80 Millionen Menschen auf das nächste Kapitel. 24 lange Jahre. In dieser Zeit verpasste die Milli Takım jede einzelne Weltmeisterschaft. Jetzt, in Vancouver, beginnt die Fortsetzung – und Trainer Vincenzo Montella bringt womöglich die talentierteste Türkei-Mannschaft aller Zeiten mit.
Das Trio, das Buchmacher nervös macht
Arda Güler. Kenan Yildiz. Can Uzun. Drei Namen, die Verteidigern weltweit schlaflose Nächte bereiten.
Güler (21) von Real Madrid ist das kreative Genie des Teams – Technik, Spielintelligenz und Torgefahr auf einem Niveau, das selbst bei den Königlichen für Begeisterung sorgt. Yildiz (20) von Juventus ist der offensive Freigeist, der mit Tempo und Unberechenbarkeit Abwehrreihen auseinandernimmt. Und Can Uzun (20) von Eintracht Frankfurt vervollständigt das Trio der Hochbegabten – Trainer-Legende Fatih Terim adelte alle drei explizit vor dem Turnier und erklärte, Güler und Yildiz könnten in Zukunft sogar um den Ballon d’Or konkurrieren. Uzun bezeichnete er als den Namen, den man sich merken solle.
Umrahmt werden die drei vom erfahrensten Leader des Kaders: Kapitän Hakan Calhanoglu (Inter Mailand, 103 Länderspiele) gibt im defensiven Mittelfeld den Taktgeber und Anker. Ferdi Kadioglu sichert die linke Seite auf Weltklasse-Niveau. Und Abwehrchef Merih Demiral, der das Playoff-Finale verletzungsbedingt verpasste, soll rechtzeitig zur WM fit sein.
Montella hat geliefert
Vincenzo Montella ist nicht zufällig auf der Trainerbank. Mit 16 Siegen, vier Unentschieden und vier Niederlagen in 24 Pflichtspielen hat er eine Siegquote von 67 Prozent aufgebaut und die Türkei bei der EURO 2024 ins Viertelfinale geführt. Sein bevorzugtes 4-2-3-1 mit Güler und Yildiz hinter der Spitze ist auf dem Papier einer der attraktivsten Angriffe des gesamten Turniers.
Die Gruppe D ist machbar – aber nicht einfach
In Gruppe D wartet zunächst Australien, danach Paraguay und zum Abschluss der Gruppe Co-Gastgeber USA. Bei den Wettquoten liefern sich Türkei und USA ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Gruppensieg – die Türkei geht mit einem Kader-Marktwert, der den der USA übersteigt, ins Rennen. Das Weiterkommen aus der Gruppe gilt mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 82 Prozent als nahezu sicher.
Wie weit ist realistisch?
Als Gruppensieger trifft die Türkei im Sechzehntelfinale auf einen Gruppendritten – möglicherweise Ecuador, Bosnien oder Österreich. Als Zweiter wartet voraussichtlich der Zweite aus Gruppe G, wo Belgien der Favorit ist. Im Achtelfinale wird es schwerer, aber auch das ist keine Utopie. Die Quote auf das Viertelfinale liegt bei rund 5,00 – das entspricht einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent. Für das Halbfinale sehen die Buchmacher es noch deutlich enger, Weltmeister-Quote liegt bei rund 80,00.
Und doch: Mit Güler, Yildiz und Uzun auf dem Platz kann an einem guten Tag jeder Gegner geschlagen werden. Das ist kein leeres Versprechen – das ist die Quintessenz dieser Generation.
Der Wett-Winkel: Wo liegt der Value?
Die Buchmacher unterschätzen die Türkei systematisch, weil 24 Jahre WM-Pause wenig Referenzdaten liefern. Wer an den Durchmarsch ins Achtelfinale oder Viertelfinale glaubt, findet bei Quoten von 2,20 (Achtelfinale) und 5,00 (Viertelfinale) noch echten Gegenwert. Das Halbfinale bleibt ein Traumziel – aber in einem aufgeblähten 48-Team-Turnier mit zahlreichen leichten K.o.-Gegnern in der frühen Phase ist es kein kompletter Wahnsinn.