Noch vor wenigen Tagen warnten führende Wettexperten vor den USA als klassische Enttäuschung des Turniers. Zu viel Druck, zu wenig Konstanz, taktische Unsicherheit. Nach dem gestrigen Abend im Los-Angeles-Stadion ist dieses Narrativ Geschichte.

Das Spiel: Paraguay von Beginn an überfordert

Bereits in der 7. Minute sorgte ein Eigentor von Damián Bobadilla für die frühe US-Führung. Doppeltorschütze Folarin Balogun legte in der 31. Minute nach und traf kurz vor dem Pausenpfiff erneut – ein Traumtor, das den Auftritt der ersten Halbzeit perfekt zusammenfasste. Paraguay war vor der Pause defensiv völlig überfordert, hatte dem Pressing und der Geschwindigkeit der Amerikaner schlicht nichts entgegenzusetzen. Den Schlusspunkt setzte der eingewechselte Giovanni Reyna tief in der Nachspielzeit zum 4:1-Endstand.

Balogun als der Mann des Spiels

Balogun, der in der vergangenen Saison 19 Tore in allen Wettbewerben für Monaco erzielte, hat auf der größten Bühne direkt geliefert. Sein Doppelpack war nicht nur effizient, sondern auch spielentscheidend. Kapitän Christian Pulisic agierte als kreativer Motor im Hintergrund und legte für mehrere gefährliche Aktionen auf – auch wenn sein Name nicht in der Torschützenliste steht, war sein Einfluss auf das Spiel kaum zu übersehen. Das Mittelfeld um Tyler Adams und Weston McKennie dominierte das Zentrum und diktierte über weite Strecken das Tempo.

Hummels schwärmt, Hollywood jubelt

Die Reaktionen nach dem Abpfiff waren eindeutig: Ex-Weltmeister Mats Hummels bezeichnete die USA als bisher stärkstes Team des Turniers. Auch Hollywood jubelte mit – das Los-Angeles-Stadion verwandelte sich in eine Partykulisse, die die Mannschaft von Trainer Mauricio Pochettino förmlich nach vorne trug. „Man sieht, wie eingespielt wir als Mannschaft sind, und wir sind bereit für die nächste Aufgabe“, sagte US-Angreifer Ricardo Pepi nach dem Spiel.

Was bedeutet das für Wetter?

Vor dem Turnier hatte kaum jemand die USA auf dem Zettel. Die taktische Unsicherheit unter Pochettino – drei verschiedene Formationen in zwei Testspielen – ließ viele zweifeln. Doch genau diese Flexibilität entpuppte sich gestern als Stärke: Das 3-4-3 mit Pulisic als kreativem Dreh- und Angelpunkt funktionierte gegen Paraguay nahezu reibungslos.

In Gruppe D mit Australien und der Türkei als verbliebene Gegner ist der Gruppensieg für die USA jetzt der klare Mindestsatz. Paraguay liegt nach dem schwachen Auftakt mit einem katastrophalen Torverhältnis am Boden. Wer also noch auf einen tiefen Turnierverlauf der Stars and Stripes setzen möchte – Sechzehntelfinale, Achtelfinale oder gar Halbfinale – sollte jetzt handeln. Die Quoten werden nach diesem Auftritt spürbar fallen. Der nächste Test wartet am 19. Juni gegen Australien in Seattle.