Kilts, Dudelsack und eine spontane Städtepartnerschaft mit Glasgow – Schottlands Fans stehlen selbst Mbappé die Show

Es gibt WM-Geschichten, die sich nicht auf dem Rasen abspielen, sondern auf den Straßen drumherum. Boston erlebt gerade genau so eine Geschichte. Seit Schottland nach 28 Jahren WM-Abstinenz zurückgekehrt ist, hat die Tartan Army die Stadt komplett in Beschlag genommen, und Boston liebt es.

Wenn Mbappé im Schatten steht

Frankreichs Nationalmannschaft hat mitten in Boston ihr WM-Quartier bezogen. Kylian Mbappé ist da, Ousmane Dembélé ist da, Michael Olise ist da. Eigentlich Stoff für Schlagzeilen. Doch während sich die französischen Superstars größtenteils in ihrem Luxushotel aufhalten, sind es die schottischen Fans, die das Stadtbild prägen. Laut Berichten begeistert die Tartan Army Boston mit Kilts und Kulturgut, lautstark, fröhlich und durchgehend friedlich.

50.000 Schotten und eine Stadt im Ausnahmezustand

Die Zahlen sind beeindruckend. Weil Schottland gleich zwei Vorrundenspiele in Boston austrägt, sind rund 50.000 Fans aus der Heimat über den Atlantik geflogen. Seit Tagen prägen sie das Stadtbild der Stadt. In sozialen Medien kursieren hunderte Videos begeisterter Bostoner, die von Begegnungen mit den Fußballfans schwärmen. Die Tartan Army zog dabei sogar ein Baseballspiel der Boston Red Sox in ihren Bann.

Kapitän Andrew Robertson brachte es nach dem Spiel gegen Haiti auf den Punkt: Boston habe sich in seine Fans verliebt, und jeder, der die Tartan Army trifft, verliebe sich in sie.

Von der Fan-Zone zur Städtepartnerschaft

Was als Fußballfest begann, hat inzwischen politische Dimensionen angenommen. Bostons Bürgermeisterin Michelle Wu unterzeichnete eine Absichtserklärung für eine offizielle Städtepartnerschaft mit Glasgow, die im kommenden Jahr besiegelt werden soll. Anlässlich der Unterzeichnung sangen anwesende schottische Fans eine umgedichtete Version ihrer inoffiziellen Hymne: „No Wu, no Party.“ Die Partnerschaft soll im April beim traditionellen Tartan Day gefeiert werden, der die historischen Beiträge schottischstämmiger Amerikaner würdigt.

Wu selbst fand klare Worte: Boston wünsche sich, die Tartan Army für immer behalten zu können, und wolle, dass sie immer wieder zurückkomme.

Warum heißen sie eigentlich Tartan Army?

Der Name geht auf die WM 1998 zurück, als zwei Geschäftsleute aus Glasgow den Begriff offiziell ins Handelsregister eintragen ließen. Schon damals war der Ruf der schottischen Fans legendär: Nach der EM 1992 erhielten sie von der UEFA eine Auszeichnung für die besten Fans, nach der WM 1998 folgte ein ähnlicher Preis. Das Prinzip ist seit Jahrzehnten dasselbe, friedlich, laut, aber mit einem Hang dazu, Kneipen statt Städte zu erobern.

Was als Nächstes kommt

Nach dem Spiel gegen Marokko zieht die Tartan Army weiter nach Miami, wo Schottland im letzten Gruppenspiel auf Brasilien trifft. Was von den Tagen in Boston bleibt, hat ZDF-Reporter bereits zusammengefasst: unvergessliche Tage voller Freude und eine Begeisterung für Fußballfans, wie sie selten zu erleben war.

Der Wett-Winkel: Kann der Hype Schottland tatsächlich tragen?

Hier wird es für Wetter interessant. Was auf den Straßen Bostons passiert, ist mehr als nur Stimmung, es ist ein potenzieller Leistungsfaktor. Schottland hat als Tabellenführer der Gruppe C bereits bewiesen, dass die emotionale Wucht der ersten WM-Teilnahme seit 28 Jahren auf dem Platz ankommt. Eine Mannschaft, die buchstäblich von der eigenen Stadt der Gastgeber getragen wird, spielt anders als eine Mannschaft ohne diesen Rückenwind.

Die Schottland-Quote auf einen Sieg gegen Marokko liegt bei rund 5,20, deutlich höher als bei Marokko selbst. Das ist eine klassische High-Risk-Wette, aber genau die Art von Quote, bei der ein außersportlicher Faktor wie eine ganze Stadt im Rücken einen Unterschied machen kann. Wer an das Momentum der Tartan Army glaubt, findet hier einen spekulativen, aber spannenden Wert.

Die ausführliche Spielanalyse mit allen Tipps zu diesem Duell gibt es hier: Schottland vs. Marokko – Tipp, Prognose & Quoten